TRINERGY Medien-Blog von Guido Meyn

Mai 21, 2009

Abgelegt unter: Nicht kategorisiert — trinergy @ 9:19 am

Journalisten, die im Fernsehen arbeiten haben immer wieder folgendes interessantes Erlebnis.

Man hat ein Recherchegespräch geführt. Der Interviewpartner entpuppt sich als effektiver lebendiger Gesprächspartner, der spannend erzählt. Der Tag der Aufzeichnung. Der Kameramann ist bereit.  Es geht los, die Kamera läuft. Man stellt die erste Frage, schaut erwartungsvoll zum Gesprächspartner und freut sich auf das feine Interview. Doch…..der Gesprächspartner ist fort. Der gerade noch lustige angenehme entspannte Mensch hat sich verwandelt. Da steht jetzt etwas ganz anderes. Es schaut aus wie ein Ganzkörperstarrkrampf, mit leichten Zitteranfällen an den Händen. Die Stimme hat sich kurz mal abgemeldet und wartet irgendwo am Hinterhauptsbein auf weitere Ereignisse. Die Haut weiß nicht ob sie alle Farbe abgeben oder sich doch für ein besonders tiefes Rot entscheiden sollte. Die Pupillen weiten sich und versuchen über den Rand des Augapfels hinaus zu kriechen. Das Hirn liegt brach, nur das Stammhirn sorgt für die lebenserhaltenden Maßnahmen. Schock……..Panik…….Der Stressmodus setzt ein, die Spiegelneuronen machen Urlaub. Kampf oder Flucht? Für Kampf gibt es keinen Grund, also Flucht. Wohin? In den Körper, in die Muskulatur.

Nun frieren wir diesen Moment einmal ein. Wir lassen die Zeit für unseren Interviewpartner anhalten, er wird zu einem Standbild. Es ist kein wirklich großer Unterschied zu vorher, da sich bewegungsmäßig eh nicht viel getan hat. Wir gehen um ihn herum und schauen ihn uns an. Das ist eine Körpersprache. Da ist alles stimmig. Ein Moment in dem der Körper nur durch das sein eine großartige komplexe Geschichte erzählt. Diese Geschichte kann überall spielen. Im Urwald, bei der Begegnung mit einem riesigen Gorilla. Es kann der Moment sein in dem sie sagt: “Ich verlasse dich”. Oder halt der Moment in dem die erste Frage in einem Fernsehinterview gestellt wird. Alle Kontexte passen. Es ist ein wahrer wirklicher Ausdruck von Stimmigkeit. Es ist eine pantomimische Glanzleistung. Das Timing, der Moment, die Kraft der Ausdruck. Großartig. Alles wäre in Ordnung, wenn die Stimme, die irgendwann wieder vorbeischaut, wenn wir die Zeit weiter laufen lassen, das dazu passende sagen würde, wie zum Beispiel: “Warten Sie einen Moment, ich muss mich kurz an die Situation gewöhnen……..wie war die Frage noch mal?” Das wäre alles kein Problem. Er würde bemerken, da ist kein Gorilla und die Liebste hat ihm erst heute morgen noch gesagt……….(das ist jetzt ein anderes Thema)………….Er braucht nicht mehr als eine Frage zu beantworten, über etwas, in dem er sich wirklich gut auskennt.

Aber nein, es kommt anders. Wir lassen die Zeit weiter laufen. Unser Interviewpartner beantwortet die Frage. Der Körper erzählt eine völlig andere Geschichte als der Inhalt. Und wir zuhause vor dem Fernseher denken uns: “Na servus, der ist fertig……..” und ein paarSekunden später: “Was hat er gesagt………..?”

Juni 28, 2008

wowo

Abgelegt unter: Nicht kategorisiert — guidomeyn @ 9:48 am

Der deutsche Dichter Friedhelm Kändler ist der Begründer des WOWOISMUS. WOWO ist die Frage auf die das DADA die Antwort gab. In seinem Buch, “Wenn ein Engel fällt” schreibt er folgendes:

 

Im Netz der Spinne hing

Ein Schmetterling

Kam trotz aller Zappelei

Nicht frei

Die Spinne aber war

Schon lange nicht mehr da

 

Und wer jetzt die Idee hat, das ist ein schönes Bild für systemische Verstrickungen, dem geht es wie mir.

Er hat auch das Lösungsbild parat. Mit dem kürzesten Liebesgedicht. Das lautet so:

 

Willst du Liebe

Ge dicht

 

Vielen Dank an Friedhelm Kändler.

Da nun auch ich endlich verstanden habe, wie das technisch mit so einem Block funktioniert, wird es bis zum nächsten Eintrag nicht mehr so lange dauern.

Bis dahin so manches schönes dicht gen, damit es gut weiter get.

Guido

 

 

 

April 14, 2008

Herzlich willkommen zu meinem Blog und meinem ersten Eintrag

Abgelegt unter: Nicht kategorisiert — trinergy @ 7:24 am

Mein Thema, mit dem ich mich hauptsächlich beschäftigen werde, sind Medien und all dem was so damit zu tun hat. Das wird mich allerdings nicht daran hindern, eventuell auch mal über was ganz anderes zu schreiben.

Es ist Sonntag der 12.4.08, kurz vor 21 Uhr. Ich habe eben kurz den Anfang eines Filmes im ORF gesehen, in dem Polizisten in einem Container Menschen mit dunkler Hautfarbe gefunden haben. Die ungesagte Botschaft: Illegale Einwanderer aus Afrika.

15 Minuten vorher in der ZiB: Ein Bericht über die „Hungerproteste“ auf Haiti. Wochen und Monate vorher, ein Politiker hängt sich das grüne Mäntelchen um und propagiert den Biosprit. Da gibt es einen Zusammenhang.

Wir bekommen in den Nachrichten die Informationen: Was ist passiert, Wo ist es passiert, Wie ist es passiert und Wer ist der, der passieren ließ, bzw. mit dem passierte. Doch eine Frage, die 5te Frage der journalistischen Grundfragen, bekommen wir nicht beantwortet, die Frage: Warum?

Warum versuchen so viele Afrikaner nach Europa zu kommen? Warum gibt es eine „Hungerrevolte“ auf Haiti.

Na pfhooohh……….stimmt, da gibt es wirklich viele Antworten, und die kann man in Nachrichten nicht alle besprechen. Stimmt. Doch vielleicht wäre es interessant, die Antworten zu geben, die ganz viel mit uns selbst zu tun haben.

Die Europäische Union schmeißt soviel subventioniertes und überschüssiges Gemüse auf afrikanische Märkte, und dabei zu solch niedrigen Preisen, dass die dortigen Bauern ihre Ernten nicht mehr loswerden. So schafft man Armut und es ist nachvollziehbar, das dann jemand an unsere Tür klopft und sagt: „Könnt ihr mir vielleicht ein paar von den Tomaten geben, mit denen ihr mein Geschäft zerstört habt?“

Ach ja, und das mit Haiti und dem Biosprit? Nun ja, da kluge Menschen rausbekommen haben, dass man nicht nur Menschen sondern auch Autos mit Pflanzen füttern kann und der Gewinn um einiges größer ist, sind riesige Anbauflächen für z.B. Mais im Zweck umgewidmet worden. Der Mais geht nicht mehr in die Mägen, sondern in die Autos. Die wollen auch leben, bzw. fahren. Die Konsequenz: Weniger Mais zum Essen und dazu noch doppelt so teuer. Außerdem gibt es übrigens dabei in keiner Weise eine Einsparung an Schadstoffausstößen.

Gemüse nach Afrika, Mittagessen in den Tank………….ich bin überzeugt, alles in bester Absicht.

Und eigentlich geht’s mir ja darum, bei so manchem Bericht, so mancher Nachricht, sich die Frage zu stellen:

Welches warum könnte auch das meine sein.

Einen wunderschönen Tag, bis bald

Guido

Bloggen Sie auf WordPress.com.