Journalisten, die im Fernsehen arbeiten haben immer wieder folgendes interessantes Erlebnis.
Man hat ein Recherchegespräch geführt. Der Interviewpartner entpuppt sich als effektiver lebendiger Gesprächspartner, der spannend erzählt. Der Tag der Aufzeichnung. Der Kameramann ist bereit. Es geht los, die Kamera läuft. Man stellt die erste Frage, schaut erwartungsvoll zum Gesprächspartner und freut sich auf das feine Interview. Doch…..der Gesprächspartner ist fort. Der gerade noch lustige angenehme entspannte Mensch hat sich verwandelt. Da steht jetzt etwas ganz anderes. Es schaut aus wie ein Ganzkörperstarrkrampf, mit leichten Zitteranfällen an den Händen. Die Stimme hat sich kurz mal abgemeldet und wartet irgendwo am Hinterhauptsbein auf weitere Ereignisse. Die Haut weiß nicht ob sie alle Farbe abgeben oder sich doch für ein besonders tiefes Rot entscheiden sollte. Die Pupillen weiten sich und versuchen über den Rand des Augapfels hinaus zu kriechen. Das Hirn liegt brach, nur das Stammhirn sorgt für die lebenserhaltenden Maßnahmen. Schock……..Panik…….Der Stressmodus setzt ein, die Spiegelneuronen machen Urlaub. Kampf oder Flucht? Für Kampf gibt es keinen Grund, also Flucht. Wohin? In den Körper, in die Muskulatur.
Nun frieren wir diesen Moment einmal ein. Wir lassen die Zeit für unseren Interviewpartner anhalten, er wird zu einem Standbild. Es ist kein wirklich großer Unterschied zu vorher, da sich bewegungsmäßig eh nicht viel getan hat. Wir gehen um ihn herum und schauen ihn uns an. Das ist eine Körpersprache. Da ist alles stimmig. Ein Moment in dem der Körper nur durch das sein eine großartige komplexe Geschichte erzählt. Diese Geschichte kann überall spielen. Im Urwald, bei der Begegnung mit einem riesigen Gorilla. Es kann der Moment sein in dem sie sagt: “Ich verlasse dich”. Oder halt der Moment in dem die erste Frage in einem Fernsehinterview gestellt wird. Alle Kontexte passen. Es ist ein wahrer wirklicher Ausdruck von Stimmigkeit. Es ist eine pantomimische Glanzleistung. Das Timing, der Moment, die Kraft der Ausdruck. Großartig. Alles wäre in Ordnung, wenn die Stimme, die irgendwann wieder vorbeischaut, wenn wir die Zeit weiter laufen lassen, das dazu passende sagen würde, wie zum Beispiel: “Warten Sie einen Moment, ich muss mich kurz an die Situation gewöhnen……..wie war die Frage noch mal?” Das wäre alles kein Problem. Er würde bemerken, da ist kein Gorilla und die Liebste hat ihm erst heute morgen noch gesagt……….(das ist jetzt ein anderes Thema)………….Er braucht nicht mehr als eine Frage zu beantworten, über etwas, in dem er sich wirklich gut auskennt.
Aber nein, es kommt anders. Wir lassen die Zeit weiter laufen. Unser Interviewpartner beantwortet die Frage. Der Körper erzählt eine völlig andere Geschichte als der Inhalt. Und wir zuhause vor dem Fernseher denken uns: “Na servus, der ist fertig……..” und ein paarSekunden später: “Was hat er gesagt………..?”